Gehirnfürze

Es war einmal ein ganz normaler Elternabend. Während vorne gerade leidenschaftlich über etwas sehr Banales debattiert wurde, passierte es: Ein Blitzschlag der Genialität. Eine Idee, so wichtig, dass sie wahrscheinlich den Weltfrieden gesichert hätte – okay nicht ganz, aber immerhin die Lösung für ein aktuelles, komplexes Projekt das ich gerade begleitete.

Und dann brach die logistische Panik aus. Wohin mit diesem Geistesblitz? Zücke ich jetzt das Handy und riskiere, wie der desinteressierte „Smartphone-Zombie“ der ersten Reihe zu wirken? Wühle ich hektisch in meinen Taschen nach einem alten Kassenbon vom letzten Tanken bevor ich zum Elternabend gefahren bin? Und wo ist verdammt noch mal dieser eine Kugelschreiber, wenn man ihn braucht? Während ich innerlich krampfhaft nach irgendeiner Form von Schreibunterlage suchte, verabschiedete ich mich akustisch komplett aus dem Raum. Ich starrte die Lehrerin zwar an, aber in meinem Kopf lief nur noch die Suche nach dem Rettungsboot für meine Idee. Ein klassischer Gehirnfurz: Die Idee ist gigantisch, aber das System dahinter hat gerade einen Totalschaden.

Die Erkenntnis: Raum schaffen

Ich habe gelernt, dass es Zeit braucht, um Alltagssituationen zu verarbeiten. Ein entscheidender Faktor ist es, einen Raum zwischen dem Denken und dem Handeln zu lassen bzw. zu erschaffen – das ist leichter gesagt als getan. Inzwischen nehme ich mir fest Zeit für die Durchsicht und Bearbeitung meiner Ideen – oder, wie ich sie liebevoll nenne: Gehirnfürze :-).

Dabei darf eine Idee auch einfach mal gestrichen werden, wenn ich merke: Naja, war doch net so doll. Wichtig ist, dass jede Idee einen von mir bestimmten „Ort“ bekommt, ebenso einen Parkplatz für das Unausgereifte. Denn vielleicht ist die Zeit einfach noch nicht reif für diese Parkplatz-Idee. Das gibt mir die nötige Achtsamkeit zurück, wieder im Hier und Jetzt zu sein. Es bringt das Gehirn weg vom „Das muss ich mir merken“ hin zum „Ich weiß, wo ich nachschauen muss“.
Ein entscheidender Punkt, der einen sehr starken Aha-Effekt hatte, war die Reduzierung der schnellen Käufe. Die Lust auf Spontankäufe, sei es online oder beim Shoppen, ist massiv gesunken, weil ich nicht mehr sofort auf jeden Impuls reagiere. Beim späteren Bearbeiten stelle ich dann oft fest: Den Artikel brauche ich eigentlich doch gar nicht.

Meine Strategie gegen Stress

Da „muss“ für mich ein ziemlich unschönes Wort ist, das sofort Stress auslöst – etwa bei Gedanken wie „Ich muss mir das jetzt aufschreiben“ oder „Jetzt muss es in das Notizbuch gelegt werden, damit ich es nicht vergesse“ – habe ich meine eigenen Strategien entwickelt.
Zum einen führe ich immer ein kleines Notizbuch mit, das in eine Hosentasche passt. Eine Zeit lang hatte ich auch ein kleines Werbegeschenk dabei: ein Set Post-its in verschiedenen Größen.

Weiterhin habe ich meine Ideen-Notizen so weit „gepimpt“, dass ich Keys und Stichworte nutze und nur noch das Wesentliche festhalte. Dabei ist mir im Alltag ein zweiter wichtiger Punkt aufgefallen. Der Clou ist die Handschrift: Sie sorgt dafür, dass die Inhalte viel besser im Kopf haften bleiben als jeder am Handy getippte Text. Durch die Trennung von Wichtigem und Unwichtigem mittels Farben auf den Post-its behalte ich die Prioritäten immer im Blick.

Ein riesiger Vorteil: Ich muss keine neue App lernen oder mich durch Menüs wühlen. Der Designer der „App“ in meinem Notizbuch oder auf dem Post-it bin nämlich ich selbst – und ich muss nie Angst haben, dass im entscheidenden Moment der Akku schlappmacht, oder was mir auch schon passiert ist, das eine App einfach eingestellt wird.

Ein kleiner Tipp am Rande gegen den gefürchteten Hyperfokus: Ich nutze die physische Begrenzung. Meine Ideen müssen auf ein Post-it passen. Wenn der Platz oder die Zettel ausgehen, ist erst mal automatisch Schluss – eine eingebaute Notbremse. Zusätzlich hilft mir ein Timer, damit ich mich nicht völlig verzettle und am Ende beim Kuchenbacken plötzlich bei den Arschbacken lande.

Tja, und was mache ich dann mit den vielen Zettelchen? Mittags oder während meiner Abendroutine kommen die Notizen an ihren jeweiligen Bestimmungsort – was dann passiert kann ich gerne auch einen Blog verfassen, das würde den Rahmen hier sprengen.

Werkzeuge und Tools im Mix

Ob analog oder digital – meine Empfehlung lautet: Es kommt darauf an. Für Bilder, Links oder lange Texte nutze ich Apple Notizen -diese App frißt so ziemlich alles- Für das schnelle Einfangen unterwegs setze ich auf:

  • Post-its, oder den klassischen Bestellblock aus einem Restaurant.
  • Mein A6 Notizbuch und diese kleinen Bleistifte von IKEA oder Bauhaus. Danke !
  • Werbegeschenke wie Lesezeichen mit Lineal mega lässig & cool -> 67 also
    -(meine Tochter hat da neulich irgendwas mit 67 gesagt – fragt mich nicht, es ist halt so)
  • Sprachmemos ne tolle Sache wenn die Hände voll sind, nutze ich den „Interview-Modus“ mit Sprachmemos – quasi ein Gespräch mit mir selbst ( setz die Kopfhörer auf, dann haben andere Menschen um dich herum den Eindruck das du telefonierst…)
  • Die KI: ist super, birgt aber die Gefahr der Verzettelung. Nutze sie gezielt, nicht als Sammelsurium.
  • Timer gegen das Affentheater: Wenn die Gedanken kreisen, setze ich mir einen Timer. Das beendet das mentale Affentheater und bringt Fokus.

Das Fazit: Mehr Platz in der Tasche und im Kopf

Der größte Gewinn ist die Reduzierung der Bildschirmzeit am Handy. Das schafft Zeit für die Menschen und für das, was gerade wirklich um mich herum passiert und wichtig ist. Als Mann habe ich in der Hosentasche eigentlich immer Platz für ein kleines Buch – solange man keine Skinny Jeans trägt (Kopfkino AUS – lassen wir das lieber)

Natürlich hat das System auch Nachteile: Man braucht Zeit zum Bearbeiten und die Nachhaltigkeit von Post-its ist vielleicht fraglich. Aber der Modus Wichtig vs. Archiv ist ein System, das man sich antrainieren kann, und mit der Zeit werden aus auch immer weniger Zettelchen – versprochen, liebe Natur


Zum Abschluss noch etwas Lustiges: Post-its eignen sich auch hervorragend für Spiele. Einfach einen Begriff aufschreiben und die anderen müssen raten – so wie es meine Tochter neulich mit mir gemacht hat, als wir uns die Zettel gegenseitig ins Gesicht geklebt haben. Ein kleiner Tipp von einem Papa (und alle Kids machen jetzt mal kurz die Augen zu): „Fluktuationskompensator“ – mit diesem Wort gewinnst du immer!

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